Zahnpasta und RDA-Wert: Wie „schmirgelnd“ darf Zahnpasta sein?

Viele Patientinnen und Patienten fragen sich: Welche Zahnpasta ist eigentlich die richtige?
Die Auswahl im Drogerieregal ist riesig: sensitiv, whitening, repair, Kräuter, antibakteriell, mit oder ohne Fluorid. Ein Wert, der dabei selten auf der Tube steht, aber trotzdem interessant ist, ist der sogenannte RDA-Wert.

Der RDA-Wert beschreibt, wie stark eine Zahnpasta auf der Zahnoberfläche beziehungsweise am Dentin „reibt“. RDA steht für Relative Dentin Abrasion. Vereinfacht gesagt: Je höher der RDA-Wert, desto stärker ist die abrasive, also schleifende Wirkung der Zahnpasta. In der von uns genutzten Übersicht werden verschiedene Zahncremes mit ihren RDA-Werten, dem Fluoridgehalt und weiteren Eigenschaften wie SLS-/NLS-Freiheit aufgeführt.

Warum enthalten Zahnpasten überhaupt Schleifkörper?

Ganz ohne Reinigungsstoffe würde Zahnpasta Beläge und Verfärbungen schlechter entfernen. Die kleinen Putzkörper helfen dabei, oberflächliche Ablagerungen zu lösen. Das ist grundsätzlich sinnvoll.

Problematisch kann es werden, wenn eine Zahnpasta sehr abrasiv ist und gleichzeitig mit zu viel Druck, harter Zahnbürste oder auf freiliegenden Zahnhälsen geputzt wird. Zahnschmelz ist zwar sehr hart, freiliegendes Dentin an Zahnhälsen ist aber deutlich empfindlicher. Der RDA-Wert ist deshalb besonders interessant bei Patientinnen und Patienten mit empfindlichen Zähnen, Zahnfleischrückgang, Erosionen oder Putzdefekten.

Wie kann man RDA-Werte grob einordnen?

Die PDF-Tabelle ordnet die Werte ungefähr so ein:

RDA-WertEinordnung
bis 30geringe Abrasivität, eher schonend, aber geringere Reinigungswirkung
35–50guter Kompromiss aus Schonung und Reinigung
50–70etwas stärkere Reinigung bei höherer Abrasivität
70–80mittlere Abrasivität, eher nicht dauerhaft bei empfindlichen Zähnen
über 95–100hohe Abrasivität, vorsichtig anwenden
bis 250international häufig als oberer Sicherheitsbereich für Zahnpasten genannt

Wichtig: Auch wenn Zahnpasten bis zu einem RDA-Wert von 250 in standardisierten Bewertungen als sicher gelten können, bedeutet das nicht automatisch, dass ein hoher RDA-Wert für jeden Patienten ideal ist. Die American Dental Association beschreibt RDA als standardisierte Skala und nennt 250 als oberen Wert, bis zu dem Zahnpasten bei korrekter Anwendung als sicher und wirksam gelten.

Für den Alltag gilt deshalb: Nicht maximal abrasiv, sondern passend zur individuellen Situation.

Welche Zahnpasta ist für die tägliche Anwendung sinnvoll?

Für die meisten Erwachsenen ist eine Zahnpasta mit Fluorid und einem mittleren bis eher niedrigen RDA-Wert eine gute Wahl. Besonders bei empfindlichen Zahnhälsen, Rezessionen oder Putzschäden würde man eher zu einem schonenderen Produkt greifen.

Eine einfache Orientierung:

Bei normalen, gesunden Zähnen:
Eine fluoridhaltige Zahnpasta mit mittlerem RDA-Wert ist in der Regel ausreichend.

Bei empfindlichen Zahnhälsen oder Zahnfleischrückgang:
Eher niedriger RDA-Wert, weiche Zahnbürste, wenig Druck.

Bei Wunsch nach weißeren Zähnen:
Whitening-Zahnpasten kritisch betrachten. Sie entfernen meist nur äußere Verfärbungen und können je nach Produkt deutlich abrasiver sein. Für die tägliche Langzeitanwendung sind sie nicht immer die beste Wahl.

Bei freiliegendem Dentin, Erosionen oder starkem Putzdruck:
Nicht nur die Zahnpasta wechseln, sondern auch die Putztechnik kontrollieren lassen.

Fluorid ist wichtiger als „Whitening“

Viele Patientinnen und Patienten achten auf Begriffe wie „weiß“, „repair“ oder „natural“. Aus zahnmedizinischer Sicht ist aber vor allem wichtig, dass die Zahnpasta ausreichend Fluorid enthält. Fluorid unterstützt die Remineralisation und hilft, den Zahnschmelz widerstandsfähiger gegen Säureangriffe zu machen.

Die Bundeszahnärztekammer empfiehlt für Kinder ab dem zweiten Geburtstag zweimal täglich eine Kinderzahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid in erbsengroßer Menge. Nach Durchbruch der ersten bleibenden Zähne, also etwa ab dem sechsten Lebensjahr, sollte zweimal täglich mit einer Junior- oder Erwachsenenzahnpasta mit 1.450 ppm Fluorid geputzt werden.

Für bleibende Zähne empfiehlt die aktuelle S3-Leitlinie zur Kariesprävention außerdem zweimal tägliches Putzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta mit mindestens 1.000 ppm Fluorid für mindestens zwei Minuten.

Warum steht der RDA-Wert nicht immer auf der Zahnpasta?

Der RDA-Wert ist für Patientinnen und Patienten interessant, wird aber häufig nicht prominent auf der Verpackung angegeben. Teilweise muss er beim Hersteller erfragt werden. Außerdem können sich Rezepturen ändern. Eine RDA-Tabelle ist deshalb eine hilfreiche Orientierung, aber keine unveränderliche Produktgarantie.

Die vorliegende PDF ist besonders nützlich, weil sie viele Produkte nebeneinander aufführt und neben dem RDA-Wert auch Angaben zu Fluorid, SLS-/NLS-Freiheit, Triclosan-Freiheit und teilweise Ökotest-Bewertungen enthält. Gleichzeitig sollte man beachten, dass die Tabelle aus dem Jahr 2021 stammt und Produktrezepturen inzwischen verändert sein können.

Was ist mit SLS oder NLS?

SLS beziehungsweise NLS steht für Sodium- beziehungsweise Natriumlaurylsulfat. Das ist ein Tensid, das für Schaum und Verteilung der Zahnpasta sorgt. Viele Menschen vertragen es problemlos. Bei empfindlicher Mundschleimhaut, wiederkehrenden Aphthen oder Schleimhautreizungen kann es aber sinnvoll sein, testweise auf eine SLS-freie Zahnpasta umzusteigen. Die PDF weist deshalb bei einigen Produkten aus, ob sie NLS-/SLS-frei sind.

Unser Fazit

Die „beste“ Zahnpasta gibt es nicht für alle. Entscheidend ist die individuelle Situation:

Eine gute Zahnpasta sollte in den meisten Fällen Fluorid enthalten, zur Mundsituation passen und nicht unnötig stark abrasiv sein. Der RDA-Wert kann dabei helfen, Produkte besser einzuordnen — besonders bei empfindlichen Zähnen, freiliegenden Zahnhälsen oder dem Wunsch nach Whitening-Zahnpasten.

Wer unsicher ist, sollte die Zahnpasta nicht nur nach Werbung oder Preis auswählen, sondern beim nächsten Kontrolltermin kurz nachfragen. Oft lässt sich mit einer passenden Zahnpasta, weniger Druck und der richtigen Bürste schon viel verbessern.

Kurz gesagt:
Fluorid schützt. Der RDA-Wert reinigt — aber zu viel Abrasion kann auf Dauer problematisch sein. Die richtige Zahnpasta ist deshalb nicht die aggressivste, sondern die, die zu Ihren Zähnen passt.

Mehr lesen

Allgemein

Unsere neue Website ist online

Wir freuen uns, Ihnen unsere neue Website präsentieren zu dürfen. Mit dem Relaunch haben wir unseren Internetauftritt nicht nur optisch modernisiert, sondern auch inhaltlich und

Mehr erfahren »